Lama Irene und ihre Begegnung mit Gendün Rinpoche:
„Ich lernte Gendün Rinpoche im Januar 1984 in der Dordogne kennen, gerade bevor das erste von ihm geleitete Drei-Jahres-Retreat in der Auvergne, Frankreich, begann. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich überhaupt nicht, dass er später mein Hauptlehrer und Wurzellama werden würde.
Während meiner ersten fünfeinhalb-monatigen Zurückziehung im Drikung Kagyu Zentrum in Kasardevi, Nordindien, konnte ich die „Vorbereitenden Übungen“ des Karma Kamtsang Ngöndros abschliessen. Während dieser Zeit hatte ich das Glück eine gute englische Übersetzung zum Mahamudragebet des 3. Karmapas Rangjung Dorje mit einem inspirierenden Kommentar von Beru Khyentse Rinpoche zu lesen. So entwickelte ich eine drängende Sehnsucht einem authentischen Mahamudrameister, wie es in solchen traditionellen Texten beschrieben wird, zu begegnen, war aber der Meinung, dass es diese in der heutigen Zeit nicht mehr gibt.
Nach dieser Zeit in Kasardevi insistierte ein Dharmafreund (Lama Lekshe -Thornten) mit mir zu Gendün Rinpoche in die Dordogne zu reisen. Rinpoche gab mir dort persönliche Meditationsanleitungen, die Lama Lekshe für mich direkt aus dem Tibetischen übersetzte.
Jetzt erinnere ich mich aber nicht mehr genau an diese. Erst als ich ab 1986 gemeinsam mit meinem Mann, Tilmann Borghardt, unter Rinpoches Anleitung in einer selbst gebauten Hütte bei Rinpoche in der Dordogne meditierte und praktizierte, erkannte ich ihn als den sehnsüchtig erwünschten Mahamudrameister. Und so stellte sich dann mein ganzes Leben auf den Kopf.“
Lama Irene und ihre Begegnung mit Shamar Rinpoche:
„Meine ersten Begegnungen mit Shamar Rinpoche 1981 in Hamburg und 1982 in Zürich waren umwerfend sowie zutiefst prägend für meinen weiteren Dharmaweg. Er hat mich ganz persönlich getroffen und inspiriert.
In Hamburg hatte ich das Glück, obschon ich ganz neu war, Shamar Rinpoche in einem persönlichen Kleingruppen-Interview zu treffen. Es begann ganz locker, bis eine seiner Schülerinnen ihn um einen Rat zu ihrer Praxis der Verbeugungen (Ngöndro) bat. Seine unerwartet direkte Antwort trieb ihr sofort die Tränen in die Augen und war so inspirierend sowie wegweisend für mich, dass ich mich ausdauernd für diese Praxis engagierte.
In Zürich waren wir als Gruppe, die gerade die Genossenschaft für das Dharmadorf Bordo gegründet hat, für ein Interview mit ihm verabredet. Ich war etwas früher da als die Anderen und ziemlich aufgeregt einen lebenden Buddha zu treffen und klingelte an der Haustür des Privathauses, wo er wohnte. Zu meinem Erstaunen öffnete er selber und bat mich ohne Umschweife, ihm zu helfen nach Indien zu telefonieren (als ob wir uns schon lange kennen würden). Kaum befanden wir uns in dem edlen Salon der Zürcher Villa, dachte ich: Hier ist die Luft aber ziemlich dick. Kaum stieg diese Gedankenform in mir auf, rief er: „Hier ist aber die Luft dick!“, und ging schnurstracks zum Fenster und riss es auf. Wir telefonierten dann nach Indien, worauf er so unmittelbar verschwand, wie er aufgetaucht war. Die natürliche Intensität und Unmittelbarkeit dieser Begegnung wirkte nachhaltig weiter in mir und markierte den Beginn einer langen, langen Dharma Reise.“